100 Jahre sind für ein Unternehmen eine lange Zeit. Wie stark sich die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und mit ihnen die Kundenbedürfnisse und der Markt innerhalb eines Jahrhunderts gewandelt haben, zeigt der Rückblick auf eine Firmengeschichte, die ihren Ausgangspunkt am Plätzli in Wädenswil nahm. Hier gründete Emil Kägi 1920 ein Installationsgeschäft für Sanitär- und Heizungsanlagen. Schon bald zog es an seinen Standort am Reblaubenweg um, wo es sich noch heute befindet.

Die Geschichte der Kägi + Co zeigt, dass es ohne unternehmerischen Mut und Erfindergeist nicht geht. Über 50 Patentschriften gehen auf Firmengründer Emil Kägi zurück. Seine Söhne Adrian und Hans Kägi passten sich dem technischen Wandel und den Kundenbedürfnissen stets an, setzten jedoch auch auf Kontinuität. Claudio Kägi konnte in dritter Generation einen Familienbetrieb übernehmen, der von einem soliden Wissens- und Erfahrungsschatz profitiert.

Sanitär- und Heizungsinstallationen fügen sich zwar unscheinbar in ein Gebäude ein. Aber für die Behaglichkeit von Wohnräumen, unsere Gesundheit und die Umwelt sind sie zentral. Umso wichtiger sind Unternehmen, die auf langjährige Beziehungen zu Mitarbeitenden und Kunden setzen. So steht die Geschichte der Kägi + Co für Beständigkeit und Verlässlichkeit. Beides sind Eigenschaften, die man sich nicht kaufen, sondern nur erarbeiten kann.

Adrian Scherrer, Historiker, Wädenswil

Innovativ. Kompetent. Zuverlässig.

Seit 100 Jahren.

Emil Kägi: Unternehmergeist trotz Nachkriegskrise

1920

Mitten in der Nachkriegskrise gründet Emil Kägi (geb. 1. Mai 1892) 28-jährig an der Eintrachtstrasse 5 in Wädenswil ein Installa-tionsgeschäft.

In dieser ersten Zeit ist es schwierig für Emil Kägi, in Wädenswil Fuss zu fassen, weshalb er froh ist, dass er nach wie vor für seinen früheren Arbeitgeber Sulzer ins Wallis auf Montage fahren kann.

Zu den allerersten Arbeiten in Wädenswil gehören die Warmwasseranlage und die sanitären Einrichtungen für das alkoholfreie Gemeindehaus «Sonne» im Auftrag des Architekten und späteren Bundesrats Hans Streuli.

1920/21 kann Emil Kägi für die genossenschaftlichen Wohnbauten der Gessner AG an der Zugerstrasse die Sanitäreinrichtungen installieren.

Die «Goldenen Zwanziger Jahre»

1923

Emil Kägi erwirbt die Liegenschaft «zum alten Engel» am Reblaubenweg 1. Die Lage des Wohn- und Geschäftshauses direkt an der Eisenbahnlinie und am See prägt die Begeisterung des Gründervaters Kägi und später seiner Söhne für die Eisenbahn und für das Rudern.

1924 –1929

Mit Josef Christen stellt Emil Kägi den ersten Monteur ein, nachdem einige Zeit vorher der erste Lehrbub Emil Steiger die Lehre bei ihm angetreten hat. Der Sohn dieses ersten Stifts, Peter Steiger, wird später seine Lehre ebenfalls bei der Firma Kägi machen.

Die allgemeine Aufbruchstimmung überträgt sich auf den Firmengründer und weckt seinen Erfindergeist: Aus dieser Zeit gibt es einen Verwertungsvertrag zwischen Emil Kägi und Hans Streuli zur Einführung und Verwertung ihrer gemeinsamen, zum Patent angemeldeten Erfindung einer Vorrichtung zum Entfernen von Kehricht.

Weltwirtschaftskrise

1929 –1939

Emil Kägis Erfindergeist bleibt ungebrochen. 1933 entwickelt er ein vorisoliertes Kupferrohr und lässt es unter der Marke «Vadina» patentieren. Später reicht er mit «Vadina-al» ein ähnliches Rohr aus Aluminium nach.

1937 heiratet Emil Kägi Lilly Weidmann, die Tochter der Meilibach-Wirtin.

1939 kommt der älteste Sohn Adrian zur Welt.

So werden die Kupferrohre isoliert

Isolierende Luftkammern, spiralförmige Papierschnurumwicklung, Umwicklung mit bitumiertem Krapp-Papier, Kraftpapierumwicklung, Textilumflechtung, aufgeklebt.

Kriegsjahre

1940 –1942

Emil Kägi ist im Zivilschutz eingeteilt und kann als einer der wenigen Männer zu Hause bleiben.

1940 kommt Peter zur Welt, der spätere Meilibachwirt.

1941 folgt der dritte Sohn Hans Ueli.

1941 lässt Emil Kägi seinen elektrischen Auftau-Apparat KRASSIN patentieren, mit dem sich in der kalten Jahreszeit eingefrorene Wasserleitungen statt mit Lötkolben und entsprechender Feuergefahr mittels Transformator aufwärmen lassen. Die Idee dazu ist Emil Kägi auf Montage im Wallis gekommen.

1942 kann Emil Kägi in Arosa den Bau des eigenen Ferienhauses abschliessen, das der jungen Familie von nun an als Rückzugsort dient.

Nachkriegsjahre

1944–1949

Am 24. Juli 1944 erhält Emil Kägi von seinem Patentanwalt die Bestätigung zur Eintragung der Marken: CARBO-MENO, PROCARBO, PROCALOR.

CARBO-MENO ist ein Heizkessel-Unterteiler, mit dem sich der Feuerraum eines Heizkessels nach Belieben verkleinern lässt. Zweck ist, die Längsseite der Koksfassung zu reduzieren, während die Aufschütthöhe unverändert bleibt. Neben der bequemeren Bedienung lässt sich so 25 bis 30% Brennstoff sparen.

Um seine Erfindungen zu vertreiben, gründet Emil Kägi zusammen mit seinem Westschweizer Compagnon Charles Pasche die Firma Procalor, die sich zum grössten Zwischenhändler im Sanitär- und Heizungsbereich entwickelt.

1949 folgt die Geburt des vierten Sohnes Christian, der später als Christian Winter mehrere Schallplatten aufnahm und als Dr. Christian Kägi psychologische Ratgeberbücher schrieb.

Nachkriegszeit und Wirtschaftswunder

1950–1958

Es herrscht Aufbruchstimmung. Emil Kägi kann sein Holzvergaser-Auto endlich wieder gegen seinen 1937 gekauften Lancia eintauschen, der während des Krieges 5 Jahre in der Garage stand.

Mit einem Brief vom 25. November 1950 will Emil Kägi seinen Neffen Karl Ebnöther im Vorderthal überzeugen, in die Firma Kägi einzutreten:

The Sixties

1959

Gründer Emil Kägi stirbt 67-jährig.

Sein älterer Sohn Adrian ist gerade mal 20-jährig und muss sofort nach der Rekrutenschule ins elterliche Geschäft einsteigen. Die Mutter führt weiterhin die Buchhaltung. Adrian ist froh, dass sein jüngerer Bruder Hans nach seinem Lehrabschluss auch ins Geschäft kommt. Das gibt Adrian die Gelegenheit, die Meisterprüfung abzulegen, am Technikum zu studieren, um danach, wie früher sein Vater, zwei Jahre bei Sulzer in Lausanne zu arbeiten. Anschliessend ist die Reihe an Hans, sich auszuklinken, auf Weltreise zu gehen und sich weiterzubilden. Nach der Meisterprüfung und zwei-jähriger Tätigkeit auf einem Ingenieurbüro in Lausanne kehrt auch er wieder ins elterliche Geschäft zurück.

1961: Kägis Erben überlassen die hinterlegte Schutzmarke «VADINA» gegen eine Entschädigung von Fr. 4000.– der Firma Suhner & Co. AG, Kabel- Kautschuk-, Kunststoff-Werke in Herisau als Schutzmarke für Isolierrohre.

Hans Kägi erwirbt an der 133. Installateurmeisterprüfung 10.-15. April 1966 in Obfelden das Meisterdiplom im Gas- und Wasserfach. Nur 3 von 8 Kandidaten haben die Prüfung bestanden.

Die Siebziger: Ölpreiskrisen und Ende des langen Nachkriegsbooms

1970–1979

Die Firma Kägi feiert ihr 50-Jahr-Jubiläum.

Langjährige Mitarbeitende, die den Firmengründer noch miterlebt haben, sprechen vom Aetti (Zeitungsartikel).

Bedeutende Arbeiten:

Heizanlage im Sekundarschulhaus Gerber-acher, in ABM und Coop-Center sowie im Hallenbad.

Demnächst in Angriff genommen werden: Heizanlage im Oberstufenschulhaus Stein-acher mit den grössten durch die Firma je montierten Heizkesseln. Im technischen Büro entstanden sind die Projekte für das Primarschulhaus Untermosen sowie für diverse Reihenhaussiedlungen.

Ab 1971 teilen sich die beiden Brüder Hans und Adrian Kägi die Geschäftsleitung. Adrian führt das Ingenieurbüro, Hans das Installationsgeschäft. Zu diesem Zeitpunkt hat die Firma 10 Mitarbeitende.

An diesem Punkt stellen sich die beiden Brüder die Frage: Vollgas geben und wachsen – oder ein kleines Familienunternehmen bleiben und dafür Zeit zum Rudern und Langlaufen zu haben. Sie haben sich für Letzteres entschieden.

Übergang vom Industrie- ins Informationszeitalter

1980–1999

1985: Karl Ebnöther feiert sein 35-Jahr-Jubiläum bei der Firma Kägi.

1988: Unser Mann fürs Grobe, Hans Waser, übernimmt die Montageleitung. Er prägt das Unternehmen mit seiner grossen Fachkenntnis.

1993: Mit 80 Jahren gibt Mutter Lilly die Buchhaltung ab. Sie will sich nicht mehr in den Computer einarbeiten.

Mit dem Einzug der Mobiltelefone wird in der Firma Kägi auch ein Pikett-Dienst über die Feiertage und Wochenenden eingeführt.

1995 feiert Kägi + Co. das 75-Jahr-Jubiläum.

Die Nullerjahre: Flächendeckende Durchsetzung des Internets

2000–2008

Im Jahr 2000 wird die Procalor an die Westschweizer Firma Vescal verkauft, die 2008 wiederum ins Eigentum der Walter Meier (Klima Schweiz) AG geht.

Während zu Emil Kägis Zeiten die Monteure noch mit einem einzigen Auto (samt Velo für die eigenständige Rückkehr) zur Arbeit gebracht wurden, betreibt die Kägi + Co. nun eine ansehnliche Fahrzeugflotte.

Was die Digitalisierung angeht, scheiden sich die Geister: Senior Hans Kägi steht der Entwicklung eher kritisch gegenüber. Junior Claudio nutzt die neuen Möglichkeiten begeistert.

Generationenwechsel, Digitalisierung – und Corona-Krise

2009–2019

2009: Claudio Kägi, Hans Kägis Sohn, steigt in dritter Generation ins Geschäft ein, tatkräftig unterstützt von Adrian und Hans Kägi und dem langjährigen Montageleiter Hans Waser.

Bis zu diesem Zeitpunkt haben drei Mitarbeiter länger als 30 Jahre für die Firma Kägi gearbeitet. Praktisch alle der zehn Mitarbeitenden haben schon ihre Lehre im Betrieb gemacht.

2011 kauft Hans Kägi seinem Bruder Adrian seinen Anteil am Geschäft ab und ist nun alleiniger Besitzer der Kägi & Co. Kurze Zeit später fällt mit Hans Waser eine wichtige Schlüsselfigur gesundheitsbedingt aus. Es kommen schwierige Zeiten auf die Firma zu, denn Sohn Claudio ist noch in der Ausbildung zum Heizungstechniker.

2015: Die Kollektivgesellschaft wird in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Mit Antonio Li Fraine übernimmt ein erfahrener Monteur die Montageleitung.

Nachdem 2018 die Firma Walter Meier durch Fusion in die Meier Tobler Group AG übergeht, wird der Markenschutz für Procalor nicht mehr erneuert und 2019 im Markenregister gelöscht.

Eigentlich wollte die Geschäftsleitung der Kägi & Co. im Jahr 2020 ihr 100-jähriges Jubiläum feiern. Ein denkwürdiger Anlass. Aufgrund der Corona-Krise müssen die Feierlichkeiten nun aber auf später verschoben werden. Glücklicherweise bleibt die Auftragslage stabil. Baufällige Rohrleitungen und defekte Heizungen richten sich nicht nach dem Virus. Dass die Disposition der Arbeitseinsätze inzwischen vollständig digitalisiert ist, kommt der Firma jetzt entgegen. Die Mitarbeitenden erhalten ihre Einsatzplanung direkt aufs Tablet und fahren von zu Hause aus zum Kunden. So sind die vom Bund angeordneten Massnahmen gut umzusetzen.

2020:
Das 100-Jahr-Jubiläum

kagi_personal_collage_100

Auch nach 100 Jahren bleibt die Firma Kägi AG ihrer Tradition treu und will eine überschaubare Familienfirma bleiben, in der man sich gegenseitig unterstützt, schätzt und auf langjährige Zusammenarbeit vertraut.

Quick Kontakt

Wenn's pressiert: Nehmen Sie Kontakt auf mit uns.

Nicht lesbar? Neuer Text. captcha txt